• Internate Aktuelles Teaser NEU
  • Bildungsmobil des Jüdischen Museums Berlin kommt mit Ausstellung und Workshop an das Internat Zinzendorfschulen

    Kategorie: Berichte DIV

    Was ist eine Bar Mizwa, wieso haben die Fransen am jüdischen Gebetsmantel, dem Tallit, 613 Knoten, welches Jahr schreiben wir nach dem jüdischen Kalender und warum können gläubige Juden ihre Gummibärchen nicht einfach im nächsten Supermarkt kaufen? Seit kurzem kennen viele Schülerinnen und Schüler der Zinzendorfschulen die Antworten zu diesen und vielen anderen Fragen rund um den jüdischen Glauben.

    Die beiden neunten Klassen der Zinzendorf-Realschule sowie die 8a des Zinzendorf-Gymnasiums konnten die spannende Wanderausstellung des Jüdischen Museums Berlin erleben. Seit 2007 besuchen Museumspädagogen dieses größten jüdischen Museums Europas jedes Jahr jeweils fünf weiterführende Schulen in jedem Bundesland und bauen dort einen Tag lang ihr mobiles Museum auf. „Weil nicht alle Schüler nach Berlin kommen können, gehen wir eben in die Schulen“, sagte Johannes Schwarz, der zusammen mit seinem Kollegen Arnon Hampe die Ausstellungswürfel, in denen jeweils vier Vitrinen eingelassen sind, erklärte.

    Die Würfel thematisieren den jüdischen Alltag, das Leben und Überleben in der Zeit des Nationalsozialismus und die Erfindungen jüdischer Persönlichkeiten, die – wie die Nivea-Creme oder die Levi’s-Jeans – noch heute jedem ein Begriff sind. Im vierten Würfel geht es schließlich um Feste wie den Schabbat und die Bar, beziehungsweise Bat Mizwa, mit dem die Jungen und Mädchen in die Gemeinde aufgenommen werden. In kleinen Gruppen erarbeiteten sich die Zinzendorfschüler diese Themengebiete, die sie ihren Mitschülern später vortrugen. In dem Museum zum Anfassen durften sie sich auch eine Kippa aufsetzen, die traditionelle Kopfbedeckung, die in liberalen Kreisen auch von Frauen getragen wird, oder den Gebetsmantel überstreifen. Dessen 613 Knoten sollen übrigens an die Ge- und Verbote des jüdischen Glaubens erinnern.

    Den Schülern wurde bewusst, dass auch die meisten von ihnen bestimmte Essensregeln befolgen. „Jede Kultur hat ihre speziellen Speiseregeln“, erklärte Johannes Schwarz. „Während zum Beispiel in Deutschland kaum jemand Pferdefleisch isst, kommt es in Frankreich häufig auf den Tisch.“ Die jüdischen Speisegesetze erlauben den Verzehr von Schwein ebenso wenig wie den von Pferd. Deshalb sind auch die normalen Gummibärchen nicht koscher, denn sie enthalten Schweinegelatine. Abhilfe schaffen koschere Gummibären – die sind allerdings nicht überall zu bekommen. „Ich habe eine Menge Neues über das Judentum erfahren“, sagte Theresa Wurmhöringer aus der 9Rb und auch ihre Mitschülerin Carolin Schmidt war überrascht von den deutlichen Parallelen zwischen jüdischem und christlichem Glauben.

    Zeitgleich zur Ausstellung im Foyer nahmen die Schülerinnen und Schüler aller Klassen der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Ernährung sowie der Berufsfachschule Wirtschaft an einem Workshop teil. Hier konnten sie anhand von interaktiven Tagebüchern auf iPods erfahren, wie sechs unterschiedliche jüdische Jugendliche, die teils Christen, Muslime und Juden zugleich sind,  ihre Identität  heute erleben – im Jahr 5774 des jüdischen Kalenders. 

    SchülerInnen des Internates Zinzendorf lernen jüdische Kultur kennen