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  • Große Künste, zwei Preisträger und ein ungebetener Hauptdarsteller

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    Louisenlund. Auf zwei Solisten folgte eine Überraschung. Angefangen mit Nkem Schaarschmidt, der Tschaikowski spielte, übernahm Louisa Kosegarten danach das Klavier mit einer beeindruckenden Interpretation von Sergei Rachmaninow. Als Saskia Bünte allerdings gerade mit ihrem Klaviersolo anfangen wollte, schritt der verantwortliche Musiklehrer Berthold Tuercke ein. 

    Seinem Gehör blieb ein leises Schnarren nicht verbogen. Nach kurzer Suche war der Übeltäter gefunden. Ein Bleistift war während der Proben in die Saiten des Flügels geraten. Saskia Bünte ließ sich nichts anmerken. Routiniert spielte sie John Cage im zweiten Anlauf, direkt gefolgt von Julian Adler, der sich an das knapp achtminütige Adagio und Fuge von Johann Sebastian Bach wagte. Ein Stück um das laut Berthold Tuercke viele etablierte Geiger lieber einen Bogen machen würden: „Julian ging stattdessen gerade darauf zu“.

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    Mut, der nur wenig später belohnt werden sollte. Die Vorstandsmitglieder des Vereins der Freunde und Förderer Louisenlunds, Hubertus von Klinggräff und Heinrich Merck verliehen dem 16 jährigen den Louisenlunder Musikpreis in der Kategorie „Spotlight“: „Eingestiegen bist Du mit zweierlei Gepäck: mit Deinem Talent auf der Geige und mit Deinem Talent, Musikstücke für das Lunder Ensemble zu arrangieren“.


    Wenn im Original Trompeten, Hörner, Posaunen, Oboen, Fagotte zu hören sein sollen, schaffe er es, das Stück für das Louisenlunder Orchester umzuschreiben und damit spielbar zu machen. „Wir wissen auch, wo und wann Du so etwas am liebsten machst: mal eben zwischendurch; das Stück „Time“ hast Du während einer Bahnfahrt der Bahn umgeschrieben, während andere mit ihren Handys spielten und irritiert auf Dich schielten. Wahre Musiker sind eben ein bisschen verquer“, erklärte von Klinggräff mit einem Lächeln.

    Julian gewann einen dreitägigen Starnberger Meisterkurs unter Leitung des albanischen Geigers Rudens Turku. Seine Auftritte führten ihn in die wichtigsten Konzertsäle der Welt, unter anderem in die Carnegie Hall in New York. Julian war erst sprachlos und freute sich dann darauf, seinen musikalischen Wortschatz zu erweitern: „Das hätte ich niemals erwartet. Ich hoffe, dass ich mit seiner Hilfe ein anderes Level erreiche“.

    Wegen solch einer musikalischen Entwicklung wurde Saskia Bünte zur zweiten Preisträgerin des Abends. Sie gewann den Louisenlunder Musikpreis in der Kategorie Meilenstein: „Du verlässt Louisenlund als jemand, der hier zur Musikerin geworden ist.“ Mit jedem Konzert habe sie an musikalischer Strahlkraft gewonnen, wie Heinrich Merck betonte: „Dazu hast Du drei Dinge im Gepäck, die absolut nichts wiegen, aber alles bedeuten: Offenheit, Leichtigkeit, und Konzentration auf den Moment. Alle drei hast Du hier in Musik verwandelt.“

    In die Freude der angehenden Absolventin des IB Diplomas mischte sich auch ein wenig Abschiedsstimmung: „Das war unser letztes großes Konzert. Obwohl es natürlich immer stressig war, teilweise bis 11 Uhr abends zu proben, gab es nichts Schöneres als am Ende unsere Musik mit diesem ekstatischen Gefühl zu spielen.“

    Dieses Gefühl wird sie bis zum Sommer dank ihres Gewinns nun öfter haben und mit ihren Hausbewohnerinnen teilen: Sie bekam ein eigenes Keyboard und muss nun nicht mehr warten, bis die Klaviere frei sind. „Jetzt übe ich täglich!“

    Komplettiert wurde der Abend durch Kunstlehrer Frank Blady, der seinem 11. Jahrgang das Thema Streetart vorgab und die Schüler ihre Graffitis ausstellten. Genauso wie die Oberstufenschüler von Sonja Schmidt, die sich mit ästhetischer Forschung beschäftigten, blieben die Künstler im Verborgenen und ließen ihre Werke für sich sprechen.

    Das gesamte Neujahrskonzert hindurch trug der Deutschkurs des 13. Jahrgangs klassische Gedichte vor, die sie sich ausgesucht hatten. Unter der Leitung von Katja Stieringer traf Goethes „Zauberlehrling“ auf den „König von Thule“, um mehr über den „Handschuh“ von Schiller zu erfahren.

    Eindrücke, die dem Studienleiter der Stiftung Louisenlund, Ulrich Steffen, ganz besonders freute. Er entdeckte unter den Rezitatoren neue Talente, die ansonsten eher im Hintergrund blieben. „Ich wünsche allen Teilnehmern, dass sie zumindest ein Stück weit, durch die Kunst zu sich gefunden haben. Ganz im Sinne des heutigen Mottos: Die Töne verfliegen, aber die Harmonie bleibt“. Ein Zustand als Botschaft dieses Abends.