Dass G8 funktioniert, soll damit aber nicht in Frage gestellt werden. Seien es "Aktionspläne G8" oder "G8 plus"-Modelle: die Basis bildet stets der Bildungsplan für das achtjährige Gymnasium. Denn G8 klappt - "wenn die Freiräume aus dem Bildungsplan für neue, schulinterne Impulse genutzt werden", sagt Dr. Ulrich Mayer. Mit dieser Meinung steht der Gesamtleiter des Gymnasiums Schloss-Schule Kirchberg nicht alleine. Zahlreiche Gymnasien haben sich an die Anforderungen des achtjährigen Gymnasiums gut angepasst: Es wurde in Schulkantinen zur Ganztagsbetreuung sowie in zusätzliche Räume investiert. Und es wurden inbesondere differenzierte Lern- und Lehrkonzepte entwickelt. Ein Beispiel ist das Modell "Lernen in Lernlandschaften" am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen, das interdisziplinär für die Fächer Deutsch und Geographie, 5. Klasse, ins Leben gerufen und mit dem Deutschen Lehrerpreis 2013 honoriert wurde. Andere Gymnasien setzen auf neue Rhythmisierungsmodelle außerhalb des 45-Minuten-Taktes. Unterrichtet werden beispielsweise nur wenige Fächer pro Tag, dafür aber (zeit-)intensiver oder in Form von Epochenunterricht. Auch Profilstunden für selbstständige Umsetzungen des Gelernten oder Intensivierungsstunden zum Üben kommen zum Einsatz.

Mehr Freiheiten und Flexibilität - Die Schulen haben die Änderungen im Zuge von G8 also "nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als Chance" wahrgenommen, betont Dr. Nordica Nettleton. Durch die Abkehr von festen Jahrgangs-Lehrplänen und die Stärkung der Schulautonomie hätten die Schulen "durchaus gewisse Freiheiten und mehr Flexibiliät erhalten", so die Lehrerin der Schloss-Schule. Die Pädagogin ist am Kirchberger Gymnasium mit der Aufgabe betraut worden, zusammen mit Kollegen ein neues, G8-basiertes Unterrichtskonzept zu entwickeln. Dabei hatte die Schloss-Schule eine Idee aus Wilhelmsdorf vor Augen, wo schon mit gutem Beispiel vorangegangen wurde.

Ohne Druck lernen- notenfrei - Die Umstrukturierungen mündeten in ein G8 plus-Konzept, das nach dem Praxislauf im letzten Schuljahr nun unter dem neuen Titel SKIL weitergeführt wird. Die Abkürzung steht für "Schloss-Schule Kirchberg Individuelles Lernen" - ein Modell, das unter Berücksichtigung der Kultusministerium-Richtlinien einen notenfreien Raum schafft, "in dem die Kinder nicht unter Druck stehen", so Nettleton. Denn ihres Erachtens sei es kontraproduktiv, die Schüler beispielsweise anzuregen, mit der englischen Sprache zu spielen, dies dann aber zu benoten. Aufgeteilt wird das SKIL-Modell in Pflichtstunden, Wahlpflichtstunden und Workshops. Der Pflichtbereich umfasst die fachlichen Inhalte des Bildungsplans plus die jeweils einstündige Mathewerkstatt, English-Conversation und eine Methodenstunde. "Wir nehmen Spielräume also zum Beispiel dadurch wahr, dass zwar die Kompetenz- und Methodenstunden zur Vermittlung von Soft Skills vorgegeben sind. Allerdings ist nicht fixiert, wie man diese konkret unterrichtet", führt die Englischlehrerin aus.

Spannend seien für die Schüler insbesondere die Wahlpflichtfächer wie "How to build a computer" oder "Geniale Metallideen" sowie die Workshops, die die Hauptfächer durch praktische Anwendungen ergänzen. In diesen Kursen, die derzeit jahrgangsübergreifend in der 5. und 6. Klasse unterrichtet werden, "lernen die Schüler tatsächlich leichter und diese Begeisterung wirkt sich wiederum positiv auf den normalen Unterricht aus." Das Konzept werde entsprechend in den nächsten Jahren für die Klassen 7, 8 und so fort weitergeführt und ausgebaut.