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    Kategorie: Berichte DIV

    Beobachter, Bastler, Bioingenieure – in der letzten Abendsprache des Schuljahres stelle Dr. André de Kathen die „Synthetische Biologie“ vor, ein vergleichsweise neues Forschungsfeld, dass die Informations-, Nano- und Biotechnologie miteinander verbindet. Ziel ist es, die Prinzipien der Ingenieurswissenschaften (Modularisierung, Standardisierung, Simplifizierung) auf die Biologie oder treffender: lebende Systeme, anzuwenden.

    Zwar sind heute lebende Organismen ungleich komplexer als z.B. ein smart-phone, allerdings gehen die Wissenschaftler davon aus, dass z.B. ein Bakterium oder eine Hefezelle nicht grundsätzlich anders funktioniert als ein elektronischer Schaltkreis und auch den gleichen Naturgesetzen unterworfen – schließlich nutzen alle Lebewesen heute den gleichen Informationsträger (DNA).

    Die Idee, durch Konstruktion von Lebewesen, Leben besser zu verstehen, ist allerdings nicht neu und so schlug Dr. de Kathen einen Bogen von der Alchimie des Barock über Mary Shelleys „Frankenstein“ und das mechanistisch-physikalische Verständnis von Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bis in die Gentechnik der heutigen Zeit.

    Dem Ziel, „lebende Biomaschinen“ zu konstruieren, kann man sich von zwei Seiten nähern. Entweder man dekonstruiert eine Zelle, d.h. man reduziert das Erbmaterial bis auf die zum Erhalt des Lebensprozesses nötigen Elemente oder man konstruiert eine Zelle aus verschiedenen chemischen Bausteinen, bis Lebensprozesse beginnen. Schon heute ist die „Modularität“ dieser Elemente schon weit fortgeschritten. So lassen sich Bakterien konstruieren, die in „Bio-chips“ Schadstoffe wahrnehmen und mit Leuchtsignalen anzeigen. Pflanzen die lila werden, wenn sie auf oder neben Landminen wachsen. Bakterien mit integrierten genetischen Schaltkreisen, die ganz bestimmte Tumorzellen detektieren und zum Selbstmord überreden oder Hefen, die mit einem Dutzend Genen aus drei verschiedenen Organismen ein kompliziertes Malaria-Mittel produzieren.

    Natürlich werfen solche Ansätze noch viel weitreichendere moralische und ethische Fragen auf: was ist „Leben“ eigentlich und was schützen wir, wenn wir es schützen wollen. Ist eine „künstliche“ Zelle, mehr oder weniger wert als eine „natürliche“? Fragen über die man dann vielleicht am Strand in den Sommerferien philosophieren kann.