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  • Internat Spiekeroog: Die Legende lebt

    Kategorie: Berichte DIV

    Der Hochsee-Regattasegler Dr. Dr. Wolf Michael Iwand stiftet Pokal für Seestern-Gedächtnis-Regatta auf Spiekeroog und ein altes Boot namens "Seestern" wird zur Legende....

    Was verbindet die Hermann Lietz-Schule Spiekeroog, den Spiekerooger Segelclub und den Segler Wolf Michael Iwand? Wenn man die Geschichte des deutschen Hochseeseglers Iwand kennt, dann weiß man, dass der gebürtige Dresdner in den 60er, 70er und 80er Jahren einer der erfolgreichsten Hochseesegler Deutschlands war. Kennt man ihn etwas näher, weiß man auch, dass er seine letzten vier Schuljahre auf dem Spiekerooger Inselinternat verbracht hat. Dass aber die seit 54 Jahren auf Spiekeroog stattfindende „Seestern-Gedächtnis Regatta“ von dem heute 72 jährigen ins Leben gerufen wurde, das wissen nur noch die wenigsten. Und wie es dazu kam, darüber hat er nun in einem spannenden Vortrag berichtet, als er auf Spiekeroog vor Lietz-Schülern und Mitgliedern des Spiekerooger Segelclubs über sein Leben, seine Seglerkarriere und die Ursprünge der Segeltradition an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog sprach.

    Der Vortrag vor etwa 100 Personen wurde mit eindrucksvollen Bildern aus den 50er bis 80er Jahren eröffnet. Zu sehen waren Lietz-Boote aus der damaligen Zeit auf Spiekeroog, als Iwand die Segelei auf der Nordseeinsel für sich entdeckte. Denn es waren Segler wie Wolf Michael (genannt Mike) Iwand, die den Sport auf der Insel mit Hingabe prägten. Der damals 17jährige, hatte sich der „Seestern“, einem Klinker geplanktem und Gaffel getakeltem Boot mit Plattgattheck angenommen. Das marode Holzboot musste regelmäßig gewartet, die Schiffsplanken gestopft und im Winter in der Bootsbaugilde besondere Vorkehrungen getroffen werden, damit es überhaupt erhalten blieb. Er war auch der letzte Bootsführer der Seestern, als das Boot Ende der 50er Jahre im Spiekerooger Wattenmeer vom Anker gerissen wurde. Gestrandet und zerschlagen lag das Boot dann vor Wangerooge und konnte daraufhin nicht mehr eingesetzt werden. Die Havarie der Seestern veranlasste den segelbegeisterten Lietz-Schüler noch zu Schulzeiten die „Seestern-Gedächtnis-Regatta“ ins Leben zu rufen. Diese findet seitdem immer zu Pfingsten im Wattenmeer südlich der Nordseeinsel Spiekeroog statt. Die Hermann Lietz-Schule nimmt selbstverständlich an der Regatta teil, welche zum Höhepunkt der Segelsaison geworden ist und regelmäßig bis zu 100 teilnehmende Boote aufweist.

    Wolf Michael Iwand hatte Spiekeroog  nach seiner Schulzeit nicht mehr besucht, da ihn die intensive Hingabe zum Segelsport sehr vereinnahmte. Seit 1963 wurde er als damals 21jähriger und damit jüngster Navigator seiner Zeit, für den Admiral´s Cup angeheuert, zu dem auch das 608 Seemeilen lange „Fastnet Race“ gehörte. Vielfache Teilnahmen am Admiral´s Cup, drei Weltmeister-, zwei Vizeweltmeistertitel, Siege in Worldcups und internationalen Meisterschaften und nicht zuletzt das „Silberne Lorbeerblatt“, die höchste Deutsche Sport-Auszeichnung, die ihm durch den Bundespräsidenten überreicht wurde, sprechen von einer der außergewöhnlichsten Seglerkarrieren unter Deutschen Hochseeseglern.

    So verbrachte er seine Zeit nach dem Schulabschluss auf den Weltmeeren anstatt im Wattenmeer. Erst 2011 brachte ihn das 50jährige Abiturjubiläum wieder auf die Insel. Und mit Freude entdeckte er nicht nur sein altes Segelboot aus seiner Schulzeit im Spiekerooger Hafen, die „Albatros“, sondern auch, dass die von ihm initiierte Regatta immer noch stattfand. Diese Tatsache und der Wunsch den Insulanern seine Anerkennung zu zeigen, hat ihn veranlasst, dem Spiekerooger Segelclub einen Pokal für die Regatta zu stiften.

    Als ehemaliger Lietz-Schüler war es für den in Ostholstein lebenden Iwand ein besonderes Anliegen den Lietz-Schülern innerhalb des Vortrags auch die Erfahrungen aus seiner Schulzeit, die ihn nachhaltig geprägt haben, zu vermitteln. Denn die an der reformpädagogischen Internatsschule gelehrten und gelebten Schwerpunkte, wie Gemeinschaft, Verantwortungsgefühl und der Erwerb von Kompetenzen, haben ihm wichtiges Rüstzeug vermittelt, das ihn in seinem Sport vorangebracht hat. Aber nicht nur Kompetenzen sondern eine hingebungsvolle Leidenschaft lassen einem diesen Sport als Hochleistungssport betreiben, so Iwand. Und Leidenschaft für eine Sache, die kann in jedem inne wohnen. „You can do it“, gab er den Lietz-Schülern mit auf den Weg.

    Jetzt wo er seine ehemalige Schule noch einmal intensiv erleben durfte, war es für ihn eine tolle Erfahrung, zu sehen, dass sich die Leidenschaft zum Segelsport weiter ausgebaut hat und sich in vielen Projekten des Inselinternats wiederfindet. Die Tatsache, dass man mittlerweile an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog Segeln als Abiturprüfung einbringen kann oder mit der High Seas High School sogar sieben Monate auf einem Großsegler auf dem Atlantik unterwegs sein kann, das seien schon tolle Optionen die eine Schule bietet, berichtete er begeistert.

    Und für 2014 hat sich der leidenschaftliche Segler vorgenommen die Seestern-Gedächtnis-Regatta auf seinem alten Lietz-Boot ALBATROS  mitzufahren, nach seinen eigenen Worten „you can do it“, auch nach 50 Jahren: „Lietzer bleibt man ein Leben lang!“.