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  • „Mutter Courage und ihre Kinder“ im Internat Zinzendorfschulen

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    Theaterkollegium Zinzendorf debütiert - Gelungene Inszenierung im Haus des Gastes: Es wäre eine traumhafte Kulisse gewesen: Das Theaterkollegium Zinzendorf hätte am Mittwoch bei den beliebten Freilichtspielen auf der Ruine Waldau die Premiere seiner Inszenierung des Brecht-Stückes „Mutter Courage und ihre Kinder“ feiern sollen. Weil die Stuttgarter Landesregierung den Spielort jedoch kurzfristig gesperrt hat, musste das Ensemble ins Haus des Gastes ausweichen – und lieferte dann eben hier vor rund 120 Zuschauern nicht minder sehenswerte Aufführung.

    Anders als bei den Darbietungen der Theater-AG, in denen vorrangig Schülerinnen und Schüler der Zinzendorfschulen spielen und Lehrer bei Bedarf das Ensemble ergänzen, stand hier das Kollegium als Kerntruppe, die von Schülern komplettiert wurde, auf der Bühne.

    Sabine Milbradt spielte die komplexe, textlastige Titelrolle der Marketenderin Anna Vierling, die während des 30-jährigen Krieges mit ihrem Karren dem schwedischen Heer hinterher zieht, um Stiefel, Gürtelschnallen, Schnüre, Schnaps und bis zur Munition alles, was Soldaten sonst so brauchen könnten, feil zu bieten. Selbst der Koch ist auf sie angewiesen, um dem Feldhauptmann ein Mahl zuzubereiten. Der Friede, der zwischenzeitlich verkündet wird, verdirbt ihr das Geschäft, doch er ist nur von kurzer Dauer, so dass die umtriebige "Mutter Courage", wie sie genannt wird, bald wie gewohnt weiter machen kann. Dass darüber ihre Kinder bis zu ihrem jeweiligen Tod den Hintergrund treten, zeichnet den zwiespältigen Charakter, den Anna Vierling mit den weiteren Rollen gemeinsam hat.

    Die theatererprobte Sekretärin Milbradt gab ihrer "Courage" ein jugendlich-dynamisches Auftreten und füllt die große Rolle mühelos, ohne dabei jedoch ihren Mitspielern Raum zu nehmen. Denn auch diese spielten, als hätten sie nie etwas anders getan. Ob die größeren Rollen wie die des Feldpredigers (genial mit bayerischen Akzent: Götz Knieß), des Kochs (souverän: Stefan Giesel), der Hure Yvette (bei der Premiere famos gespielt von Sarah Fritschi) oder auch die kleineren Rollen wie die alte Frau (Elisabeth Leguy), der Werber (Bernhard Hering) oder der Soldat, der zwischen den Szenen dem Publikum Orientierung bot (Oliver Böhler) - Regisseur Gerhard Lempp hat bei der Besetzung wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen.

    Als Söhne der Mutter Courage überzeugten mit Tamino Burk (Eilif) und Maximilian Schaible (Schweizerkas) zwei Schüler, die stumme Tochter Kattrin wurde von der Lehrerin Karen Hummel bemerkenswert authentisch gespielt. Auch wenn sie sich im Hintergrund aufhielt, etwa beim Wäscheaufhängen oder beim Aufräumen - sie zeigte immer berührende Präsenz.

    Das schlichte Bühnenbild, das im Grunde fast nur aus dem riesigen Karren der Marketenderin besteht, bietet Raum für die Darstellung mehrerer, parallel verlaufender Handlungen, wie beispielsweise die Szene, in der Kattrin gedankenversunken die Schuhe und den Hut der Dirne Yvette anprobiert, während ihre Mutter mit dem Feldprediger und dem Koch redet.

    Beeindruckend waren auch die Gesangseinlagen der Akteure, sei es die der Courage ganz am Anfang des Stückes, als sie sich, während sie durch den Publikumsraum die Bühne betrat, singend vorstellte, oder im Duett mit dem Feldkoch beim Betteln um eine Schale Suppe. Viele Bühnentechniken wurden einstudiert und erfolgreich angewandt, der rundum gelungene Theaterabend lässt hoffen, dass dieser ersten Produktion des Theaterkollegiums Zinzendorf bald schon eine weitere folgt.

    Info: Wer die Premiere verpasst hat, bekommt am 19. und 20. Juli in Donaueschingen beim Museum Biedermann sowie am 12. September im Haus des Gastes in Königsfeld noch weitere Gelegenheiten, "Mutter Courage und ihre Kinder" zu sehen. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.