• Internat Solling: Literaturpreis 2014

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    "Literatur seit Heute"

    Literaturpreis 2014

    Unsere Literaturzeitschrift „Literatur Seit Heute“ erschien im vergangenen September bereits zum achten Mal. Und dennoch war es eine kleine Premiere, denn die Redaktion besteht erstmalig nur noch aus Unter- und Mittelstufenschülerinnen (!). Und daher gebührt den fünf Mädchen an dieser Stelle schon mal ein dickes Lob: Es ist beachtlich, was Ihr da vollbracht habt! Fast dreißig Autoren haben an der diesjährigen Ausgabe mitgewirkt - Schüler, Lehrer und auch wieder Schüler aus dem Campe-Gymnasium.

    Und drei der veröffentlichten Texte wurden wie jedes Jahr im November von einer Jury ausgewählt und prämiert. Dr. Günther Thimm als Leiter, Sabine Habbel, Dr. Annette Kolbe, Lisa und Eva haben es sich nicht leicht gemacht und alle Einsendungen aufmerksam gelesen. Am Sonntag in der Abendsprache wurden die Siegertexte und ihre Autoren vorgestellt:

    Dr. Thimm spricht ein paar einleitende Worte und überlässt die Bühne dann Mario, Carolin und Marie-Luise, die Marlas Text „Über Freiheit und Würde“ szenisch darstellen. Es geht um einen Farbigen, der vom Schaffner aus der 2. in die 1. Klasse gebeten wird, weil ein anderer Fahrgast nicht neben ihm sitzen möchte. Sabine Habbel setzt sich in ihrer Laudatio mit dem „sokratischen Gespräch“ der 11. Klässlerin auseinander und fragt sich und die Zuhörer, ob man seine Würde selbst verletzen kann - allein dadurch, dass man sie nicht aktiv verteidigt. Es gelingt Marlas Text auf eindrückliche Weise, sich mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen. Die Jury ehrt sie dafür mit dem 3. Platz.

    Den 2. Preis gibt es für das Gedicht „Über Eiweiß und den Dotter“ – von Max Notter aus der 10. Klasse.  Dessen Bruder Julius trägt die neun Strophen auf charmante Weise vor, ohne ihnen ihren tieferen Sinn zu nehmen. Es beginnt mit lustigen ReimerEien und Sprachspielen und wird zum Ende facebook-, medien- und twitterkritisch. Max’ Laudatorin Lisa hat das Gedicht besonders gefallen, weil es große Leichtigkeit und Lebensfreude ausstrahlt und den Leser zum Schmunzeln bringt.

    Den Siegertext liest Eric vor: „Biographische Skizzen“ von Yury aus Klasse 10. In den kurzen Texten aus dem Leben eines Jungen geht es um gemeinsame Erlebnisse mit dem geliebten Großvater in der russischen Provinz, um den plötzlichen Tod desselben und die darauffolgende Umsiedelung nach Moskau, wo der Junge Einsamkeit und Trauer erfährt und sich letztlich der Schule verweigert. Die letzte Skizze klingt versöhnlicher und die Einsamkeit verwandelt sich darin in Mut und Zivilcourage. Annette Kolbe setzt sich in ihrer Laudatio für den Sieger detailliert mit den Texten auseinander: Sie beginnt mit einer Erläuterung des Begriffes „Skizzen“, die etwas von leichter Hand Hingeworfenes seien und etwas Flüchtiges hätten. Sie ruft die Bilder der vier kleinen Texte noch einmal vor unsere inneren Augen und erkennt schließlich in der Aufeinanderfolge der Texte eine Ordnung, die eigentlich über das Skizzenhafte hinausgehe und nicht nur eine ausgearbeitete Chronologie zeigten, sondern auf feinfühlige Weise vom Erwachsen werden erzählten. Sie gratuliert Yury, der leider kurzfristig wegen Krankheit nicht anwesend konnte, und alle applaudieren.

    Wer beurteilen möchte, wie schwer der Jury die Auswahl gefallen ist, dem sei die 8. Ausgabe ans Herz gelegt.