• Internat Zinzendorf inszeniert „Mutter Courage und ihre Kinder“

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    Das Theaterkollegium Zinzendorf hätte bei den beliebten Freilichtspielen auf der Ruine Waldau die Premiere seiner Inszenierung des Brecht-Stückes „Mutter Courage und ihre Kinder“ feiern sollen. Weil die Stuttgarter Landesregierung den Spielort jedoch kurzfristig gesperrt hat, musste das Ensemble ins Haus des Gastes ausweichen – und lieferte dann eben hier vor rund 120 Zuschauern nicht minder sehenswerte Aufführung.

    Anders als bei den Darbietungen der Theater-AG, in denen vorrangig Schülerinnen und Schüler der Zinzendorfschulen spielen und Lehrer bei Bedarf das Ensemble ergänzen, stand hier das Kollegium als Kerntruppe, die von Schülern komplettiert wurde, auf der Bühne. Jahrelang hatte Gerhard Lempp als Regisseur der Theater-AG der Zinzendorfschulen für faszinierende Bühnenerlebnisse gesorgt, mit der West Side Story füllte die naturgemäß stets wechselnde Truppe sogar vier Mal die Neue Tonhalle in Villingen-Schwenningen. Schon öfter waren vereinzelt Lehrer dabei, die gerne wieder die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten hätten und Gerhard Lempp immer wieder fragten, ob er nicht einmal ein Stück mit seinen Kollegen machen wolle. Nun hat er sich die Zeit genommen und 11 Mitarbeiter des Zinzendorf-Schulwerks probten gemeinsam als Theaterkollegium das anspruchsvolle Brecht-Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“.

    Die Premiere war ein voller Erfolg: Sabine Milbradt spielte die komplexe, textlastige Titelrolle der Marketenderin Anna Vierling, die während des 30-jährigen Krieges mit ihrem Karren dem schwedischen Heer hinterher zieht, um Stiefel, Gürtelschnallen, Schnüre, Schnaps und bis zur Munition alles, was Soldaten sonst so brauchen könnten, feil zu bieten. Dass darüber ihre Kinder bis zu ihrem jeweiligen Tod den Hintergrund treten, zeichnet den zwiespältigen Charakter, den Anna Vierling mit den weiteren Rollen gemeinsam hat.

    Die theatererprobte Sekretärin Milbradt gab ihrer "Courage" ein jugendlich-dynamisches Auftreten und füllt die große Rolle mühelos, ohne dabei jedoch ihren Mitspielern Raum zu nehmen. Denn auch diese spielten, als hätten sie nie etwas anders getan. Ob die größeren Rollen wie die des Feldpredigers (genial mit bayerischen Akzent: Götz Knieß), des Kochs (souverän: Stefan Giesel), der Hure Yvette (bei der Premiere famos gespielt von Sarah Fritschi) oder auch die kleineren Rollen wie die alte Frau (Elisabeth Leguy), der Werber (Bernhard Hering) oder der Soldat, der zwischen den Szenen dem Publikum Orientierung bot (Oliver Böhler) - Regisseur Gerhard Lempp hat bei der Besetzung wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen.

    Als Söhne der Mutter Courage überzeugten mit Tamino Burk (Eilif) und Maximilian Schaible (Schweizerkas) zwei Schüler, die stumme Tochter Kattrin wurde von der Lehrerin Karen Hummel bemerkenswert authentisch gespielt. Auch wenn sie sich im Hintergrund aufhielt, etwa beim Wäscheaufhängen oder beim Aufräumen - sie zeigte immer berührende Präsenz.

    Beeindruckend waren auch die Gesangseinlagen der Akteure. Viele Bühnentechniken wurden einstudiert und erfolgreich angewandt, der rundum gelungene Theaterabend lässt hoffen, dass dieser ersten Produktion des Theaterkollegiums Zinzendorf bald schon eine weitere folgt.

    Weitere Aufführungen sind am 19. und 20. Juli in Donaueschingen im Museum Biedermann (bei gutem Wetter als Open-Air-Theater sowie am 12. September im Haus des Gastes in Königsfeld. Der Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

     

    Mutter Courage im Internat Zinzendorfschulen